Studien- und Abschlussarbeiten

Mehr Schmerz bei 100 Hz?

* Dieses Thema wurde/wird bereits bearbeitet.
 
Jahr:  1998
Studiengang:  Augenoptik / Augenoptik & Hörakustik
Kategorie:  Diplomarbeit
Erstbetreuer:  Prof. Dr. Jürgen Nolting
Externer Betreuer: Dipl.-Ing.(FH) M. Hermann
Ersteller: Elke Breiler
Kurzbeschreibung:     

Durch die technische Entwicklungen im Bereich der Fernseh- und Monitortechnik ist es seit einiger Zeit möglich, höhere Bildaufbaufrequenzen bei der Bildwiedergabe zu erzeugen. Der Marktanteil dieser Geräte, die sich durch flimmerarme Bilder auszeichnet, steigt stetig an. In unserer freizeitorientierten Gesellschaft nimmt die Zeit, die vor einem Fernseher oder auch Monitor verbracht wird, zu. Auch viele Arbeitsplätze sind mit einer Tätigkeit am Bildschirm oder Monitor verbunden. Asthenopische Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Arbeit am Monitor beschrieben werden, sind weitgehend bekannt [14].

1. Temporäre Myopie (Kurzsichtigkeit)
2. Verändertes Farbempfinden
3. Brennende, gerötete, tränende und/oder trockene Augen
4. Unkontrollierter Lidschlag
5. Blendungsempfindlichkeit

Aus diesen Problemen kann man schließen, daß das menschliche Auge nicht optimal auf eine Tätigkeit am Bildschirm angepaßt ist. Einen längeren Zeitraum auf einen Bildschirm zu sehen, gehört nicht zu den natürlichen Sehbedingungen. Somit muß die Forderung gestellt werden die Umfeldbedingungen so zu gestalten, daß ein unbeschwertes Arbeiten am Bildschirmplatz weitgehend gewährleistet wird. Ein wesentlicher unangenehmer Faktor ist die Bildunruhe. Ist ein Flimmern des dargebotenen Bildes wahrnehmbar, dann wird dieses als sehr störend empfunden. Dieser Effekt ist wohl jedem bekannt, der mit dem Computer arbeitet und einen Bildschirm benutzt, der eine niedrige Bildaufbaufrequenz hat.
Aus dieser Überlegung müßte es für den Betrachter von Vorteil sein, flimmerarme Bildschirme von z.B. 100-Hz-Bildaufbaufrequenz zu verwenden. Das ruhige Bild sollte ein entspanntes und ermüdungsfreies Sehen zur Folge haben. Dieser Überlegung widerspricht allerdings ein Zeitungsartikel der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel: „Mehr Schmerz vor dem Bildschirm mit 100 Hz". Im Anhang A ist eine Kopie des Zeitungsartikels zu finden.Dieser Artikel bezieht sich auf eine Studie von Kennedy und Murray [12]. Die Wissenschaftler der psychologischen Abteilung der schottischen Universität Dundee führten Versuche mit 5  Bildschirmen durch, bei denen die Bildaufbaufrequenz frei variabel war. Mit diesen Bildschirmen konnten auch höhere Bildfrequenzen erzeugt werden. Die Probanden, so berichtet der Autor des Zeitungsartikels der Süddeutschen Zeitung, mußten Wortfolgen, die auf einem TV-Monitor gezeigt wurden, vergleichen. Hatten die Worte ein ähnliches Aussehen oder war die Bedeutung gleich, so mußte dieses signalisiert werden. Es wurde durch die Tests herausgefunden, daß bei einer höheren Bildaufbaufrequenz die Aufmerksamkeit des Betrachters höher beansprucht wird, als bei niedrigen Bildaufbaufrequenzen. Bei höheren Bildaufbaufrequenzen mußten unwillkürlich mehr Augenbewegungen gemacht werden um die Wörter richtig zu entziffern und zuzuordnen. Dieses hat zur Folge, daß eine höhere Bildaufbaufrequenz die Probanden schneller ermüden läßt.
Die Aussage des Zeitungsartikels über die Studie von Kennedy und Murray steht im Widerspruch zu den am Anfang gemachten Überlegungen. Zudem ist durch die Studie nicht nachgewiesen, ob die gemessenen Änderung der Sakkadensequenz auch zu einer signifikanten Beeinflussung der visuellen Leistungsfähigkeit führt. Die vorliegende Diplomarbeit hat das Ziel, folgende Fragen durch geeignete Versuchsanordnungen zu klären:

§ Stimmt die weit verbreitete Ansicht, daß flimmerarme Bildwiedergabe sich generell positiv auf den Benutzer auswirkt?
§ In welchem Maß beeinträchtigen die, von Kennedy und Murray postulierte, erhöhte Aufmerksamkeit und die erhöhte Augenaktivität den Benutzer?
§ Lassen sich die gemessenen Ergebnisse der Dundee Studie mit den subjektiven Empfindungen korrelieren?
§ Wirken sich die Bildwiedergaben mit höheren Bildfrequenzen auf die Reaktionszeit bei einem entsprechenden Test aus und kann diese Zeit nachweisen werden?
Darüber hinaus sollen Grundlagen der seriellen Bildwiedergabe erarbeitet werden, die den Bildaufbau der Monitortechnik und den prinzipiellen Bildaufbau der 100-Hz- Fernsehtechnik beschreiben. Weiter sind die psychophysischen Zusammenhänge der Wahrnehmung von Fernsehbildern aufzuzeigen und die damit verbundenen Flimmerphänomene zu erläutern.