Studien- und Abschlussarbeiten

Vergleich zweier Messverfahren bzgl. der Hornhautvorderflächenform Videokeratographie und Scheimpflugverfahren

* Dieses Thema wurde/wird bereits bearbeitet.
 
Jahr:  2007
Studiengang:  Augenoptik / Augenoptik & Hörakustik
Kategorie:  Diplomarbeit
Erstbetreuer:  Prof. Dr. Bernd Lingelbach
Externer Betreuer: Hecht Kontaktlinsen GmbH
Ersteller: Nadine Wieber, Kerstin Gohm
Kurzbeschreibung:     

Mit dieser Arbeit wird das Ziel verfolgt, die Messverfahren des Videokeratographen und der Pentacam sowie ihre Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Es soll festgelegt werden, ob die Messverfahren gleichwertig nebeneinander stehen.

Zu Studienzwecken finden die Messgeräte der Firma OCULUS Optikgeräte GmbH Anwendung.

Es wird eine grobe Untersuchung der Höhendaten und der Krümmungsradien durchgeführt. Zum Vergleich herangezogen werden die Zentralradien und die Exzentrizitäten. Außerdem ist auf beiden Geräten die KL - Anpasssoftware der Firma Hecht Contactlinsen GmbH installiert. Es wird damit verglichen, ob beide Geräte bei einem identischen Auge die gleiche KL vorschlagen. Bei den KL - Vorschlägen findet eine Unterteilung in sphärische und torische Geometrien statt.

Im Vorfeld der Untersuchung wird eine Pilotstudie zur Klärung der Richtungsunabhängigkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse durchgeführt. Außerdem soll bereits eine Tendenz für eventuelle Unterschiede in der Messgenauigkeit der beiden Geräte herausgefiltert werden. Hierfür wird ein Auge gewählt, das einen regelmäßigen Verlauf der Topographie aufweist. Dieses Auge dient als Prüfkörper für beide Geräte. In der Pilotstudie stellt sich heraus, dass jedes Gerät für sich richtungsunabhängig und reproduzierbar misst. Aus diesem Grund genügt es, jedes Probandenauge nur einmal zu vermessen. Bei Betrachtung der Zentralradien, der Höhendaten und der Krümmungsradien können bereits Unterschiede zwischen den beiden Messgeräten festgestellt werden, die in Kapitel 5.2 beschrieben sind.

In der Hauptstudie werden 140 Augen vermessen, die in zwei Gruppen mit regulären und irregulären Hornhäuten unterteilt werden. Die Gruppe der regulären Hornhäute besteht aus 112 Augen, die Gruppe der irregulären Hornhäute beinhaltet 28 Augen. Es wird eine Bewertung für die Gesamtgruppe und für die Untergruppen vorgenommen.

Beim Vergleich der Höhendaten stellt sich für die Gesamtgruppe eine signifikante Abweichung vom Idealwert Null heraus. Die Höhenwerte der Pentacam sind geringer als die des Videokeratographen. Dasselbe Ergebnis findet sich in den Gruppen der regulären und der irregulären Hornhäute wieder.

Beim Vergleich der Krümmungsradien ist für die Gesamtgruppe ebenfalls eine signifikante Abweichung vom Idealwert Null festzustellen. Die Krümmungswerte der Pentacam sind höher als die des Videokeratographen. In der Gruppe der regulären Hornhäute ist das Ergebnis dasselbe. In der Gruppe der irregulären Hornhäute ergibt sich für die Abweichung des Mittelwerts gegenüber Null keine Signifikanz. Dennoch sind die Werte der Pentacam im Schnitt höher als beim Videokeratographen.

Für die Zentralradien ergibt sich bei der Betrachtung der Gesamtgruppe, dass die Pentacam für den flachen Hornhautmeridian im Mittel um 0,01 mm flachere Radien misst als der Videokeratograph. Im steilen Meridian misst die Pentacam im Mittel 0,01 mm steilere Radien. Die Torizität wird beim Videokeratographen höher angegeben. In der Gruppe der regulären Hornhäute ergibt sich für den flachen Hornhautmeridian im Mittel ein um 0,06 mm flacherer Zentralradius, der mit der Pentacam gemessen wird. Im steilen Meridian misst die Pentacam im Mittel um 0,09 mm flachere Radien. Die Torizität wird ebenfalls beim Videokeratographen höher angegeben. In der Gruppe der irregulären Hornhäute ergibt sich, dass die Angaben der Pentacam für den flachen Hornhautmeridian im Mittel um 0,03 mm flacher sind als beim Videokeratographen. Der steile Meridian wird mit der Pentacam im Mittel um 0,04 mm steiler gemessen. Die Torizität ist wiederum beim Videokeratographen höher.

Der Vergleich der gemittelten Exzentrizitäten in der Gesamtgruppe ergibt eine signifikante Abweichung zwischen beiden Geräten. Die Angaben des Videokeratographen sind höher als die der Pentacam. In der Gruppe der regulären Hornhäute ist das Resultat dasselbe. In der Gruppe der irregulären Hornhäute liegt keine signifikante Abweichung vor, die Angaben des Videokeratographen sind jedoch ebenfalls im Mittel höher als bei der Pentacam. Die genaue Betrachtung der einzelnen Hornhautmeridiane ist in der Arbeit in Kapitel 5.3.4 aufgeführt.

Bei der Betrachtung der KL - Vorschläge ergibt sich für die Gesamtgruppe, dass der erste Vorschlag mit einem Toleranzfenster von ± 0,05 mm bei der Angabe des Zentralradius in 26 % der Fälle übereinstimmt. Wenn die Vorschläge der Pentacam in der Angabe der Geometrie (Exzentrizität) von denen des Videokeratographen abweichen, werden sie für die Auswertung von Hand in dessen Vorschlag umgerechnet. So ergibt sich eine scheiteltiefengleiche KL, bei der der Zentralradius erneut zum Vergleich herangezogen wird. Inklusive der Umrechnung und des Toleranzfensters beträgt die Übereinstimmung 60 %. In der Gruppe der regulären Hornhäute stellt sich für den ersten KL - Vorschlag inklusive Toleranzfenster (± 0,05 mm) eine 28 % Übereinstimmung heraus. Wenn die Umrechnung mit einbezogen wird, ergibt sich mit Toleranz eine Übereinstimmung von 63 %. Bei der Gruppe der irregulären Hornhäute stimmt der erste Vorschlag inklusive Toleranzfenster in 36 % der Fälle überein. Wenn die umgerechneten Fälle mit einbezogen werden, liegt die Übereinstimmung mit Toleranz bei 43 %. Die genaue Einteilung und Untersuchung der Vorschläge in sphärische und torische Geometrie, flachen und steilen Zentralradius ist der Arbeit in Kapitel 5.3.5 zu entnehmen.

Das vor der Arbeit erdachte Ziel der Entwicklung eines möglichen Algorithmus für einen Angleich der Geräte tritt nicht ein. Dafür ist die Auswertung nicht aussagekräftig genug. Es werden lediglich Unterschiede festgestellt, diese können jedoch nicht exakt bewertet werden. Die Art der Durchführung, die ein aussagekräftiges Ergebnis liefert, ist in einer Diplomarbeit nicht zu realisieren und muss firmenintern mit Hilfe von aufwändigen Computerprogrammen bewerkstelligt werden.