Studien- und Abschlussarbeiten

Die Bedienungseffizienz von Bildschirmlesegeräten bei der Rehabilitation hochgradig Sehbehinderter

* Dieses Thema wurde/wird bereits bearbeitet.
 
Jahr:  2007
Studiengang:  Augenoptik / Augenoptik & Hörakustik
Kategorie:  Diplomarbeit
Erstbetreuer:  Prof. Dr. Kunibert Krause
Ersteller: Jana Werneke
Kurzbeschreibung:     

 

Hintergrund: Die Handhabung verschiedenster vergrößernder Sehhilfen, darunter auch das BLG, werfen häufig Fragen in deren Wirkungsweise auf die Lesefähigkeit auf. Ziel dieser Studie war, herauszufinden, ob sich anhand der Textnachführungsbewegung beim Lesen vergrößerter Texte eine Verbesserung bzw. Verschlechterung in der Bedienung erklären lässt und welche Kriterien dafür verantwortlich sind. Außerdem sollte untersucht werden, inwieweit dabei visuelle und motorische Fähigkeiten Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit nehmen können und ob sich nach einiger Zeit der Anwendung auch ohne begleitendes Training eine Verbesserung einstellte.

 

Patienten und Methode: An dieser Studie nahmen 19 augengesunde Probanden und 32 Patienten (mit Zentralskotom), von denen 15 Beteiligte zu einer Kontrolluntersuchung kamen, teil. Alle Patienten benutzten bei der Erstuntersuchung zum ersten Mal ein BLG. Die Einweisung in die Handhabung des Gerätes war Teil der klinischen Versorgung. Durch eine spezielle Software wurden die Textnachführungsbewegungen über eine Kopplung zwischen BLG und PC aufgezeichnet. Während des Lesens von standardisierten Prüftexten bei unterschiedlicher Vergrößerung, zwischen 8-fach und 30-fach, ergaben sich individuelle Bewegungsmuster. Bei der Auswertung wurde im Besonderen auf die Anzahl und Dauer der Verzögerungen innerhalb der Zeile sowie auf die Lesegeschwindigkeit geachtet. Außerdem wurde auf die Haltedauer am Zeilenanfang und am Zeilenende eingegangen. Die Teilnehmer wurden in Gruppen, d.h. alle Patienten und Probanden, Patienten mit einem Kontrolltermin und Patienten mit optimalem Vergrößerungsbedarf miteinander verglichen.

 

Ergebnisse: Die Ergebnisse der Patienten unterschieden sich bis auf wenige Ausnahmen bei der Haltedauer der Verzögerungen in allen Zielgrößen signifikant von den Ergebnissen der Probanden. Überraschend war der Anstieg in der Anzahl der Verzögerungen von 8-fach auf 30-fach (p=0,002) bei den Probanden. Auch die Patienten machten mehr Verzögerungen je höher die Vergrößerung wurde (p=0,028). Die Lesegeschwindigkeit nahm in beiden Teilnehmergruppen mit Zunahme der Vergrößerung signifikant ab (Probanden mit p<0,001, Patienten mit p=0,027). Beide Gruppen benötigten am Zeilenanfang längere Zeit als am Zeilenende. Je höher die Vergrößerung wurde, desto mehr nahm die Haltedauer am Anfang der Zeile ab und stieg am Zeilenende.Nach einer Nutzungsdauer von mindestens 3 Monaten verbesserten die Patienten ihre Lesegeschwindigkeit im Durchschnitt um 8 Wörter / min und die Anzahl der Verzögerungen reduzierte sich fast um die Hälfte im Vergleich zum Ersttermin.

Schlussfolgerung: Die Bedienung eines BLG bedeutet für die meisten Patienten einen komplizierten Vorgang des Lesens bei gleichzeitigem Einsatz von Augen- und Handbewegung. Dessen Koordination fällt Vielen anfänglich sehr schwer und ändert sich nur bedingt nach einiger Zeit der Anwendung. Die Patienten müssen einen Lernprozess durchlaufen, um das Gerät letztendlich effizient nutzen zu können. Die Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung in der Bedienung hin, auch obwohl die Patienten kein zusätzliches Training erhielten. Obwohl sich die Lesegeschwindigkeit nicht wesentlich gesteigert hat, so konnten jedoch anhand der Bewegungsmuster Anzeichen von Anwendungstechniken, die zu einer effizienteren Bedienung führen, festgestellt werden.

Als wichtig erscheint es, dass unnötige Hindernisse und Komplikationen durch eine eindeutige und gründliche Erklärung des Gerätes schon am Anfang verhindert werden können. Anhand dieser Studie wird deutlich, wie wichtig Nachkontrollen für einen effizienten Gebrauch des BLG sind.

Abschließend kann man befürworten, dass zukünftig explizite Hilfestellungen in Form eines spezifischen Trainings oder häufigere Nachkontrollen eine weitere Verbesserung in der Bedienung eines BLG erzielen können.