Studien- und Abschlussarbeiten

Augenbewegungen beim Lesen von Normalpersonen in verschiedenen Altersgruppen, erfasst mit einem Infrarotreflexions-System

* Dieses Thema wurde/wird bereits bearbeitet.
 
Jahr:  2004
Studiengang:  Augenoptik / Augenoptik & Hörakustik
Kategorie:  Diplomarbeit
Erstbetreuer:  Prof. Dr. Kunibert Krause
Externer Betreuer: Prof. Dr. Susanne Trauzettel-Klosinski
Ersteller: Corinna Strumann
Kurzbeschreibung:     

Augenbewegungen beim Lesen von Normalpersonen in unterschiedlichen Altergruppen, erfasst mit einem Infrarotreflexions-System

Um sehbehinderten Mitmenschen das Lesen zu erleichtern, oder gar zu ermöglichen, ist es unerlässlich, objektiv zu bestimmende Eigenschaften des Lesevorgangs gesunder Menschen zu kennen. Eine zwar motorische aber kognitiv neuronal gesteuerte Parametergruppe, sind die Augenbewegungen während des Lesens. Normalwerte für den deutschsprachigen Raum gibt es bisher nicht. Sie sollten ermittelt werden unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Lesegewohnheiten. Mit Hilfe eines Infrarotreflexionssystems (Orbit Eye Trace System 300X der Firma IOTA Eye Trace System AB, Schweden) wurden die Lesekurven von 75 Probanden aufgenommen und ausgewertet. Die Probanden waren sehtüchtige Normalpersonen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren, sie wurden ihrem Alter nach in 6 gleichmäßige Intervalle eingeteilt. In jeder Untersuchungsgruppe wurden mindestens 10 Probanden untersucht. Ihre Lesekurven wurden nach folgenden Parametern ausgewertet: Lesegeschwindigkeit, Sakkadenanzahl und -amplitude, Fixationsdauer und Regressionshäufigkeit. Alle Parameter - bis auf die Sakkadenamplitude - zeigten eine deutliche Altersabhängigkeit. In den Gruppen der 20-69-jährigen, gab es kaum Veränderungen bei den ermittelten Leseparametern. Die Werte lagen bei: Lesegeschwindigkeit (274 Wörter pro Minute (wpm) bei einer Standardabweichung von 17,77 Wörtern), Sakkadenanzahl (65 bei einer Standardabweichung von 3,51), Fixationsdauer (0,204s bei einer Standardabweichung von 0,015s), Regressionshäufigkeit (7 Regressionen pro 100 Wörter bei einer Standardabweichung von 1,2). Die 70-79-jährigen Probanden zeigten in diesen Parametern Abweichungen: sie lasen erheblich langsamer (170wpm), fixierten dabei länger (0,26s) und nahmen deutlich mehr Sakkaden (83) und Regressionen (18,2 pro 100 Wörter) vor; die Sakkadenamplituden (23 Prozent der Zeile) lagen im Bereich der jüngeren Versuchspersonen. Über eine lange Lebensspanne bleiben die gemessenen Leseparameter konstant; im fortgeschrittenen Alter nimmt das Lesen unabhängig von den Lesegewohnheiten aufgrund der vermehrten Augenbewegungen mehr Zeit in Anspruch und läuft weniger effektiv ab. Deutlicher tritt eine Abhängigkeit des Lesen vom „Übungsstand" des Lesers hervor. Viel-Leser lesen schneller und effizienter, Sakkaden und Regressionen treten weniger häufig auf als bei Mäßig- oder Wenig-Lesern. Eine Abhängigkeit der Leseparameter vom Geschlecht des Lesers konnte nicht nachgewiesen werden.